Amputation: vermeidbar!

22.8.2012 - Diabetiker müssen besonders auf ihre Füße achten. Aufgrund schlechterer Durchblutung und einer eventuell zusätzlich vorhandenen Neuropathie sind die Füße von zuckerkranken Menschen besonders gefährdet chronische Wunden zu entwickeln. Ist es erst einmal so weit gekommen, sind diese Wunden äußerst hartnäckig und schwierig zu behandeln, was im schlimmsten Fall mit einer Amputation der infizierten Extremität behandelt werden muss, um das Leben des Patienten zu retten. Penible Fußpflege kann vor Amputation schützen.

 der diabetische Fuß und die Amputation

 

Das diabetische Fußsyndrom – umgangssprachlich als diabetischer Fuß bezeichnet – ist eine Folgeerkrankung des Diabetes, am häufigsten des Diabetes mellitus Typ 2. Die schlechte Nachricht zu Beginn: dieses oft vermeidbare Krankheitsbild ist verantwortlich für zirka zwei Drittel aller Amputationen. Die gute Nachricht hinterher: Mit penibler Fußpflege ist der Großteil dieser Amputationen vermeidbar!

Regeln der Fußpflege: Prävention, Prävention und Prävention!

(Aus einem Vortrag von Diabetesschwester "Andrea" vom Krankenhaus Enns)

  • Auf gute Blutzuckerwerte achten!
  • Regelmäßig Füße waschen!
  • Füße gut abtrocknen und eincremen!
  • Täglich Füße ansehen!
  • Niemals schneiden oder hobeln, sondern besser die Nägel feilen!
  • Keine Wärmflaschen bei kalten Füßen! Dicke Socken wärmen genauso!
  • Täglich die Schuhe auf Fremdkörper und scharfe Kanten kontrollieren!

Werden diese Regeln nicht beachtet, kann es durch Druckstellen leicht zu kleinen Wunden kommen, die sich in der Folge infizieren und zum diabetischen Geschwür – Ulkus – werden. Das Geschwür ist die Folge eines Zusammenbruchs der Gewebestrukturen mit Verlust der Schutzfunktion der Haut gegen Keime. Ist es erst einmal soweit gekommen steht die Türe für Keime weit offen, direkt in das Gewebe einzudringen. Schreitet dieser Prozess weiter fort, kommt es in der Regel zum Absterben von Gewebe – Nekrose genannt.

Akutbehandlung – Amputation vermeiden

Ist das Geschwür nicht entzündet, kann eine rechtzeitige chirurgische Wundbehandlung und eine anschließende Druckentlastung das weitere Fortschreiten oft noch verhindern. Die chirurgische Wundbehandlung beinhaltet die Reinigung und Desinfektion der Wunde. Nekrosen – abgestorbenes Gewebe – müssen vorsichtig entfernt werden. Erst wenn die Durchblutung der gesamten Wundfläche sichergestellt ist, kann ein Abheilen des Geschwürs erwartet werden. Unterstützend und um weitere Infektionen zu vermeiden, kann außerdem eine medikamentöse Therapie mit Antibiotika begonnen werden.

Nach der Abheilung ist druckentlastendes Schuhwerk unbedingt erforderlich. Hierfür ist der Orthopäde und orthopädische Schuhmacher Spezialist und sollte frühzeitig konsultiert werden.

Heilt das Geschwür nicht ab, müssen radikalere chirurgische Maßnahmen versucht werden. Bei sehr schlechter Durchblutungssituation kann beispielsweise ein Gefäßbypass die Durchblutung erheblich verbessern und so die Extremität retten. Hierfür stehen entweder künstliche Gefäßprothesen oder die Transplantation einer körpereigenen Vene zu Verfügung.

Helfen alle Maßnahmen nichts und das Geschwür breitet sich weiter aus, können in Folge lebensbedrohliche Komplikationen, beispielsweise eine Infektion des Knochens – Osteomyelitis – auftreten. Ist es erst so weit gekommen, muss der Chirurg notfalls die Entscheidung zur Amputation treffen, um das Leben des Patienten zu retten.

Langfristig das Übel an der Wurzel packen

Verantwortlich für Geschwüre sind meist sowohl schlecht eingestellte Blutzucker- als auch Blutfettwerte. Ein Erreichen möglichst idealer Werte muss angestrebt werden. Hierfür sind regelmäßige Kontrollen bei einem Arzt nötig. Auch Rauchen trägt in einem hohen, oft unterschätzten, Ausmaß zu einer schlechten Durchblutung bei. Das Vorliegen einer Neuropathie mit Verlust der Schmerzempfindung in den Füßen sollte regelmäßig durch einen Arzt überprüft und ausgeschlossen werden. Motivieren Sie sich selbst zu einem Lebenswandel mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung. Ihre Beine werden es Ihnen danken!

BJ

 

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