Verrückte Blutzuckerwerte trotz Therapie?

06.08.2012 - Erkrankungen der Schilddrüse kommen in der Bevölkerung relativ häufig vor und die Wahrscheinlichkeit an einer Schilddrüsenfehlfunktion zu erkranken nimmt mit dem Alter zu. Die häufigste Erkrankung der Schilddrüse ist die Schilddrüsenunterfunktion – Hypothyreose genannt.

Die Schilddrüse produziert lebenswichtige Hormone

Ohne Schilddrüsenhormone können wir nicht überleben. Die Schilddrüsenhormone T4 und T3 steuern unter anderem den Energieverbrauch in unserem Körper, wie schnell der Stoffwechsel in unserem Körper abläuft und wie der Körper auf andere Hormone reagiert. Um die Hormone zu produzieren benötigt unsere Schilddrüse Jod. Ein Jodmangel – wie er in Österreich früher öfter vorkam – kann zu einem Anschwellen der Schilddrüse, dem sogenannten Kropf, führen. Durch die Beimengung von Jod zum Kochsalz ist dies allerdings selten geworden.

 

Unterfunktion

Produziert die Schilddrüse zu wenig Hormon sprechen wir von einer SchilddrüsenunterfunktionHypothyreose. Die Ursachen für diese Störung können vielfältig sein.  Die Symptome können von ungewollter Gewichtszunahme, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kälteintoleranz, verminderte Stuhlfrequenz und einem verlangsamten Herzschlag bis hin zu einer depressiven Verstimmung reichen. Die gute Nachricht ist, dass die Unterfunktion mit der täglichen Einnahme von Schilddrüsenhormonen gut therapierbar ist.

 

Überfunktion

Tritt das Gegenteil auf, die Schilddrüse produziert mehr Hormon als benötigt, spricht man von einer SchilddrüsenüberfunktionHyperthyreose. Dabei kann eine vermehrte Gewichtsabnahme, Wärmeintoleranz, Schlaflosigkeit, Nervosität und Zittern, eine gesteigerte Stuhlfrequenz, als auch eine erhöhte Herztätigkeit symptomatisch auftreten. Auch hierfür können die Ursachen vielfältig sein. Am häufigsten steckt jedoch entweder ein Jodmangel oder eine Autoimmunerkrankung namens Morbus Basedow dahinter.

 

Sind Schilddrüsenprobleme bei Diabetikern häufiger?

Studien zeigen, dass Fehlfunktionen der Schilddrüse bei Diabetikern häufiger vorkommen als in der sonst gesunden Bevölkerung. Besteht eine Autoimmunerkrankung eines Organs ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch noch ein weiteres Organ vom eigenen Körper angegriffen wird. So haben beispielsweise bis zu 30 Prozent weiblicher Typ 1 Diabetikerinnen zusätzlich eine Schilddrüsenerkrankung. Auch bei Typ 2 Diabetikern konnte eine erhöhte Häufigkeit von Schilddrüsenfunktionsstörungen nachgewiesen werden. Bei Typ 2 Diabetikern tritt am häufigsten die Unterfunktion auf.

 

Beeinflusst eine Schilddrüsenfehlfunktion den Diabetes?

Ja, eine Schilddrüsenfehlfunktion beeinflusst den Diabetes. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass man an diese zusätzliche Diagnose denkt und darauf untersucht.

Eine Schilddrüsenüberfunktion verschlechtert typischerweise die Blutzuckerwerte und erhöht den Insulinbedarf. Tritt bei einem Diabetiker beispielsweise eine ungewöhnliche Verschlechterung der Blutzuckerwerte auf, so kann eine beginnende Schilddrüsenüberfunktion dafür verantwortlich sein.  Eine Behandlung dieser Überfunktion verbessert in Folge auch wieder die Blutzuckerwerte.

Die Schilddrüsenunterfunktion wirkt sich nicht so dramatisch auf die Blutzuckerwerte aus wie eine Überfunktion. Von Bedeutung ist hier allerdings die Verschlechterung der Blutfettwerte. Triglyceride und LDL können auch schon bei einer sehr leichten Schilddrüsenunterfunktion erhöht sein und das Risiko für Herz–Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Die Diagnose  - nicht ganz so einfach!

Die typischen Symptome einer Schilddrüsenfehlfunktion können bei Diabetikern, insbesondere wenn noch weitere Begleiterkrankungen vorliegen, leicht fehlinterpretiert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Schilddrüsenhormon-Konzentration im Blut durch verschiedene Mechanismen beim Diabetiker stark variieren kann. Am besten geeignet für die Diagnose ist die Bestimmung des TSH. Dieses Hormon stammt aus dem Gehirn und steuert die Funktion der Schilddrüse. Durch die Bestimmung des TSH-Gehalts kann sowohl eine Schilddrüsenüberfunktion, als auch eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt werden.

 

Therapie wichtig!

Eine Unterfunktion kann sehr gut mit der Einnahme von Schilddrüsenhormon behandelt werden. Die Dosis muss gewichtsabhängig eingestellt werden und sollte regelmäßig kontrolliert werden, da es zu einer Überdosierung kommen kann. Meistens wird die Therapie mit einer niedrigen Dosis begonnen und langsam gesteigert.

Die Therapie der Schilddrüsenüberfunktion gestaltet sich leider etwas schwieriger. Eine erfolgreiche Therapie ist nur durch Entfernen des überaktiven Schilddrüsengewebes möglich. Unter besonderen Voraussetzungen kann ein überaktiver Knoten in der Schilddrüse eventuell mittels Operation entfernt werden. Kommt dies nicht in Frage, kann eventuell die sogenannte Radiojodtherapie angewendet werden. Dabei wird radioaktives Jod in den Körper eingebracht, welches von den überaktiven Schilddrüsenzellen aufgenommen wird. Diese Zellen werden anschließend durch Strahlung zerstört.

Es gibt zwar auch Medikamente, die die Schilddrüsenfunktion blockieren. Diese erreichen aber leider oft nur eine geringe Erfolgsrate.

 

BJ

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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