Wenn das Schicksal doppelt zuschlägt

06.08.2012 - Von Zöliakie sind in der Normalbevölkerung ungefähr 0,5 Prozent betroffen. Bei Typ 1 Diabetikern ist die Zahl der Betroffenen allerdings bedeutend höher!

 

Was genau ist Zöliakie?

Bei der Zöliakie, auch gluteninduzierte Enteropathie genannt,  handelt es sich um eine chronische Erkrankung der Dünndarmschleimhaut. Es kommt zu einer Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber dem Klebereiweiß – Gluten (ausgesprochen „glu-then“) – welches in vielen Getreidesorten und deren Produkten enthalten ist. Die dabei ablaufenden Reaktionen gegen das Gluten beziehen die Darmschleimhautzellen sowie die Zellen des Immunsystems mit ein, sind sehr komplex und im Detail noch immer nicht verstanden. Zusammengefasst dringt Gluten in die Darmschleimhaut ein, wird von den Darmschleimhautzellen fälschlicherweise als Gefahr erkannt und durch verschiedene Signale werden Immunzellen zu Hilfe gerufen. Es werden, in der Folge Antikörper – körpereigene Abwehrstoffe – gegen das Gluten gebildet, aber leider auch gegen Bestandteile der Dünndarmzellen, Autoantigene genannt. Die Zöliakie ist sozusagen eine kombinierte Lebensmittelallergie und Autoimmunerkrankung in einem. Durch den Angriff auf Autoantigene kommt es nach und nach zu der Zerstörung von Dünndarmzellen. Wird Gluten  weiterhin über die Nahrung aufgenommen, bleibt diese Entzündungsreaktion bestehen - so lange bis die Dünndarmzotten fast vollständig zerstört sind.

Tritt die Erkrankung bereits im frühen Kindesalter mit schwerem Verlauf auf, kann die Diagnose meist relativ rasch gestellt werden. Zu den Symptomen bei Kindern zählen Gedeihstörungen bedingt durch eine Verdauungsstörung mit Durchfällen. Betroffene Kinder haben oft keinen Appetit, sind launisch und fallen eventuell durch dünne Arme und Beine und einen geblähten Bauch auf. Originalartikel

Früher dachte man die Zöliakie wäre nur eine Erkrankung des Kindesalters – heute weiß man es besser. Das tückische – bricht die Erkrankung bei Erwachsenen aus sind die Symptome oft nicht so eindeutig. Mögliche Symptome sind Bauchschmerzen, Verstopfung, Eisenmangel, Atemwegsinfekte, Gelenkentzündung, Defekte des Zahnschmelzes und psychische Beschwerden wie etwa Konzentrationsschwäche oder Depression. Bei Frauen kann es im Verlauf einer nicht diagnostizierten Zöliakie sogar zu Frühgeburten oder gar Unfruchtbarkeit kommen.

Gleich und Gleich gesellt sich gerne.

Als Autoimmunerkrankung ist die Zöliakie häufiger auch mit weiteren Autoimmunerkrankungen vergesellschaftet. Zwischen 5 und 10 Prozent der Typ 1 Diabetiker leiden auch an einer Zöliakie. Dies entspricht zirka einer zehnfach erhöhten Häufigkeit als in der Normalbevölkerung. Interessanterweise ist diese Beobachtung auch umgekehrt gültig: 5 bis 10 Prozent der an Zöliakie Erkrankten sind auch Typ 1 Diabetiker.

Die Diagnose kann über die Bestimmung der Autoantikörper (Tissue-Transglutaminase, tTG oder Endomysiale-Antikörper, EMA) im Blut erhärtet werden. Sind diese Autoantikörper vorhanden, ist laut Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (ESPGHAN), eine Magenspiegelung mit einer Gewebeuntersuchung zur Bestätigung der Verdachtsdiagnose angebracht.

Behandelbar ist die Zöliakie nur mit einer lebenslangen, glutenfreien Diät. Dies stellt für Betroffene zu Beginn oft eine enorme Herausforderung dar, da auf Getreidesorten wie Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel und noch einiges mehr völlig verzichtet werden muss. Die gute Nachricht für Betroffene: da ein immer größerer Anteil der Bevölkerung an Zöliakie leidet, produziert die Lebensmittelindustrie bereits vermehrt glutenfreie Nahrungsmittel, die mittlerweile auch in fast jedem Supermarkt erhältlich sind.

Leidet man nun an beiden Erkrankungen, muss neben der glutenfreien Ernährung auch noch auf die Kohlenhydrataufnahme und die Einstellung des Blutzuckerspiegels geachtet werden. Da glutenfreie Lebensmittel oft einen anderen Glykämischen Index haben, muss bei der Berechnung des Insulinbedarfs besonders darauf geachtet werden.

 

BJ

 

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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