Kinderwunsch bei Diabetikern

8.11.2012 - Spätestens seit immer häufiger auch junge Menschen von Diabetes betroffen sind, stellt sich zunehmend die Frage nach möglichen Risiken einer geplanten Schwangerschaft bei Diabetikerinnen.

 


Tatsächlich ist eine Schwangerschaft für Diabetes-Betroffene nicht risikolos. In den 70er Jahren lag die Kindessterblichkeit von zuckerkranken Müttern noch bei ungefähr 50 Prozent. Auch die Sterblichkeit der Frauen durch Geburtsprobleme war mit 30 Prozent sehr hoch. Dank moderner Therapien ist die Gefahr für Diabetikerinnen und ihr Ungeborenes stark zurückgegangen.

Planung schon vor der Schwangerschaft!

Wichtig ist, dass bereits vor der Schwangerschaft die Stoffwechsellage optimal eingestellt wird. Blutzuckerwerte, die denen einer Nicht-Diabetikerin entsprechen – das heißt zwischen 60 bis maximal 90 mg/dl nüchtern- sind Voraussetzung für eine möglichst gesunde Schwangerschaft. Je höher nämlich der Blutzucker, desto höher die Fehlbildungsrate. Besonders in den ersten  fünf bis acht Schwangerschaftswochen kommt es leicht zu schweren Fehlbildungen, da in dieser Zeit die Organe angelegt werden. Für die präzise Überwachung des Blutzuckers ist besonders der Langzeitzuckerwert HbA1c geeignet. HbA1c Werte über 14 Prozent bedeuten oft schwere Fehlbildungen, welche nicht selten zu Fehlgeburten führen. Anzustreben ist ein HbA1c Wert von 6 Prozent.

Wird der Diabetes an das Kind weitergegeben?

Da es sich beim Diabetes um keine Erbkrankheit handelt, sondern lediglich eine genetische Mitbeteiligung an der Entstehung des Diabetes vermutet wird, ist das Risiko geringer als oft angenommen. Bei Typ 1 Diabetikerinnen wird das Risiko des Nachwuchs auch an Typ 1 Diabetes zu erkranken mit zwei bis vier Prozent angegeben. Beim Typ 2 Diabetes sieht es etwas anders aus. Je nachdem wie groß die Anzahl der Betroffenen im familiären Umkreis ist, kann das Risiko für das Kind im laufe seines Lebens an Diabetes zu erkranken bis auf 40 Prozent steigen. Hier spielen aber vermutlich vor allem angelernte Verhaltens- und Ernährungsgewohnheiten, neben einer genetischen Veranlagung, eine wesentliche Rolle.

Schwangerschaft zu gefährlich?

Tatsächlich gibt es Situationen in denen man einer Diabetikerin eher von einer Schwangerschaft abraten sollte. Treten bereits Spätschäden eines Diabetes an den Gefäßen auf und liegt in Folge ein Herzleiden vor, sollte das Schwangerschaftsrisiko sehr gut abgewogen werden. Zum Glück treten so schwere Folgeschäden bei jungen Menschen heute so gut wie nicht mehr auf. Dies war allerdings nicht immer so. Noch vor einigen Jahrzehnten wurde jungen Diabetikerinnen geraten, so früh wie möglich ihren Kinderwunsch zu erfüllen, um das hohe Schwangerschaftsrisiko durch Spätschäden zu vermeiden. Solche Empfehlungen müssen heute meist nicht mehr gegeben werden.

Planen Sie als Diabetikerin eine Schwangerschaft, sollten Sie sich jedenfalls sowohl von Ihrem Frauenarzt als auch von Ihrem Diabetologen beraten lassen. Die vorgegebenen Schwangerschaftsuntersuchungen, wie sie für gesunde Frauen durchgeführt werden, sind für Diabetikerinnen etwas häufiger vorgesehen, um die zeitgerechte Entwicklung des Kindes mitverfolgen zu können.

  

BJ

 

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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