Führerschein - Einschränkung für Diabetiker

16.5.2013 – Wer an Diabetes leidet und ein Fahrzeug lenken will, muss besondere Richtlinien beachten. Welche das sind und zu welchen Punkten Kritik von Diabetesvereinigungen besteht haben wir in diesem Artikel kurz zusammengefasst.

 

Bevor man die Berechtigung bekommt ein Kraftfahrzeug lenken zu dürfen, muss man sich einer ärztlichen Untersuchung stellen. Ziel dieser Untersuchung ist es etwaige gesundheitliche Probleme aufzudecken, die das Lenken eines Fahrzeugs für den Betroffenen selbst oder andere Personen zu einer Gefahr machen würden.

Konkrete Gefahren für einen Diabetiker bestünden beispielsweise darin, eine Unterzuckerung  während dem Lenken eines Fahrzeugs zu erleiden und nicht rechtzeitig darauf reagieren zu können oder etwa auch das schleichende Fortschreiten von Begleiterkrankungen wie etwa Sehprobleme.

Im August 2011 wurde die Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung novelliert. Diese bestimmt, welche gesundheitlichen Voraussetzungen an den Bewerber um eine Lenkberechtigung zu stellen sind.

Der §11 der Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung bestimmt nun:

(1) Zuckerkranken darf eine Lenkberechtigung nur nach einer befürwortenden fachärztlichen Stellungnahme erteilt oder belassen werden, aus der insbesondere auch hervorgeht, dass der Zuckerkranke die mit Hypoglykämie verbundenen Risiken versteht und seinen Zustand angemessen beherrscht.
(2) Zuckerkranken, die mit Insulin oder bestimmten Tabletten behandelt werden müssen, darf eine Lenkberechtigung für Kraftfahrzeuge der Klassen A, B, B+E und F nur für einen Zeitraum von höchstens fünf Jahren unter der Auflage ärztlicher Kontrolluntersuchungen und amtsärztlicher Nachuntersuchungen erteilt oder belassen werden.
(3) Zuckerkranken, die mit Insulin oder bestimmten Tabletten behandelt werden müssen, darf eine Lenkberechtigung für Kraftfahrzeuge der Klassen C1, C1+E, C, D, C+E, D+E und G nur für einen Zeitraum von höchstens drei Jahren unter der Auflage ärztlicher Kontrolluntersuchungen und amtsärztlicher Nachuntersuchungen und unter Einhaltung folgender Voraussetzungen erteilt oder belassen werden:
1. der Lenker gibt eine Erklärung ab, dass in den letzten zwölf Monaten keine Hypoglykämie aufgetreten ist, die eine Hilfe durch eine andere Person erforderlich macht (schwere Hypoglykämie);
2. es besteht keine Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung;
3. der Lenker weist eine angemessene Überwachung der Krankheit durch regelmäßige Blutzuckertests nach, die mindestens zweimal täglich sowie zu jenen Zeiten vorgenommen werden, zu denen die Person üblicherweise Kraftfahrzeuge lenkt;
4. der Lenker zeigt, dass er die mit Hypoglykämie verbundenen Risiken versteht;
5. es liegen keine anderen Komplikationen der Zuckerkrankheit vor, die das Lenken von Fahrzeugen ausschließen.
(4) Zuckerkranken, bei denen innerhalb von zwölf Monaten zwei Mal eine Hypoglykämie aufgetreten ist, die eine Hilfe durch eine andere Person erforderlich macht (wiederholte schwere Hypoglykämie) sowie Zuckerkranken, die an Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung leiden, darf eine Lenkberechtigung weder erteilt noch belassen werden. Dies gilt nicht, wenn durch geeignete Maßnahmen, Schulung, Therapieumstellung und Blutzuckerkontrollen die Vermeidung von Hypoglykämien erreicht wird.

Benachteiligung für Diabetiker

Auch zahlreiche andere Erkrankungen, wie etwa Epilepsie oder fortschreitende Augenerkrankungen, können die Verkehrstauglichkeit beeinträchtigen und werden deshalb im Gesetz behandelt. Bei diesen Erkrankungen führt die Stellungnahme eines zuständigen Facharztes jedoch zu einer Ausstellung des Führerscheins oder eben nicht.  Diabetes nimmt also insofern eine Sonderstellung ein, als dass es bei keiner anderen Erkrankung eine zeitliche Beschränkung des Führerscheins gibt.

Genau hier setzt auch Kritik der Diabetikervereinigung an. Eine Befristung bedeutet eine Ungleichstellung der Betroffenen und regelmäßige Kosten für Untersuchungen und den neuen Führerschein. Ein mögliches Ziel könnte es sein, unbefristete Lenkerberechtigungen auszustellen, die jedoch regelmäßige Kontrolluntersuchungen vorschreiben.

Link Aktive Diabetiker

BJ

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich

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