Schutzengel auf vier Pfoten

27.11.2012 - Hunde haben einen phänomenal guten Geruchssinn. Diese Fähigkeit nützt man gezielt, etwa um Sprengstoffe oder auch Drogen zu finden. Was jedoch nur wenige wissen, Hunde können auch Unterzucker riechen und damit ihrem Besitzer unter Umständen das Leben retten.

 

Anna Oblasser, Tiertrainerin und Gründerin des Animal Training Center, bildet solche Hunde aus und wir hatten das große Glück sie auf der diesjährigen Haustiermesse in Wien treffen zu dürfen.

Anna Oblasser auf der Haustiermesse in Wien mit einem ihrer zahlreichen Preise.

Was genau die Hunde riechen, kann uns auch die Tiertrainerin nicht erklären. „Dazu gibt es leider noch keine Studien." Es wird vermutet, dass Stoffwechselprodukte, wie beispielsweise Azeton, von den Hunden wahrgenommen werden kann, lange bevor es ein Mensch riechen würde. Was jedoch erstaunlich ist, die Hunde schlagen auch bei Überzucker Alarm. Was sie dabei riechen ist momentan nicht bekannt. Auf die Idee Diabeteswarnhunde auszubilden kam Anna Oblasser Anfang 2011 durch die Anfrage einer Hundebesitzerin, die an Typ 1 Diabetes mit Unterzucker-Wahrnehmungsstörung leidet.

Ich war begeistert von der Idee, mit der Ausbildung solcher Hunde Menschen in echter Not helfen zu können." 

Doch bevor es mit der Ausbildung der Hunde losgehen konnte, musste sich die engagierte Tiertrainerin selbst noch sehr viel Wissen aneignen. Seminare und Vorträge halfen dabei, die Erkrankung Diabetes besser zu verstehen. Um die spezielle Ausbildung der Diabeteswarnhunde zu erlenen, musste sie sogar zurück in die USA, wo sie einige Jahre zuvor ihre Diplomausbildung zur Tiertrainerin absolviert hatte.

Früh übt sich

Die Ausbildung zum Diabeteswarnhund beginnt bereits mit dem zweiten Lebenstag. Die Welpen werden mit „Unterzuckergeruch“ (Speichel von Diabetikern auf einem Tupfer) zur Zitze der Hündin gelockt um diesen Geruch so sehr zu verinnerlichen, dass sie ihr ganzes Leben lang danach suchen. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche – denn ein Diabeteswarnhund hat immer Bereitschaft. Darin liegt auch die Schwierigkeit, betont Oblasser.

Wir müssen die Hunde so trainieren, dass sie sogar nachts aufwachen und Alarm schlagen, falls es zum Auftreten eines Unterzuckers kommt.“

Über den gesamten Ausbildungszeitraum von eineinhalb Jahren durchlaufen die Hunde ein dreiteiliges Ausbildungsprogramm. Neben dem Grundgehorsam und der Alltagstauglichkeitsausbildung stellt die Spezialausbildung zum Servicehund den Abschluss der Ausbildung dar.

Zu den Fähigkeiten der ausgebildeten Diabeteswarnhunde zählen das Erkennen von Hypoglykämie  sowie Hyperglykämie, das Apportieren des Messgeräts und falls notwendig des Unterzucker-Notfallsets. Im Fall der Fälle – bei Bewusstlosigkeit - sind die Hunde auch dazu ausgebildet mittels einer Notfallglocke Hilfe zu holen. Wahre Schutzengel auf vier Pfoten also.

Doch auch die zukünftigen Hundebesitzer müssen ein Training absolvieren, um richtig mit dem Hund umgehen zu können. Wer einen Hund möchte, durchläuft ein Auswahlverfahren. „Wir möchten sicher sein, dass unsere Hunde in gute Hände kommen. Die Bereitschaft zur lebenslangen Kooperation und Fortbildung der Hundebesitzer muss gegeben sein“, sagt Oblasser. Der Andrang ist trotzdem riesig. Auf einen Hund kommen 50 Bewerber. Die neuen Besitzer werden gründlich ausgesucht.

Wichtig für sie persönlich ist dabei der Leidensdruck durch Wahrnehmungsstörungen von Unterzucker. „Wir haben Anfragen von Typ 1 Diabetikern, die spüren ihren Unterzucker einfach überhaupt nicht und denken andererseits sie hätten Unterzucker wenn der Blutzuckerspiegel normal ist. Der Leidensdruck geht oft so weit, dass diese Menschen Angst vor dem alltäglichen Leben haben. Unsere Diabeteswarnhunde geben Sicherheit und stärken vor allem bei Kindern wieder das Selbstvertrauen.“

Drei Hunde aus der Schule von Frau Oblasser sind bereits im Einsatz und ein vierter bekommt im Jänner 2013 sein neues Zuhause. Eine junge Typ 1 Diabetikerin aus Wien, mit besonders ausgeprägter Unterzucker-Wahrnehmungsstörung, freut sich schon auf ihren neuen Wegbegleiter.

Anna Oblasser ist sichtlich stolz auf ihren Erfolg. „Der jetzige Wurf stammt von zwei ausgebildeten Diabeteswarnhunden. Somit haben wir die erste Diabeteshunde-Zuchtlinie der Welt“, erzählt sie uns.

Zu kämpfen hat die junge Tiertrainerin mit den hohen Kosten, die durch die intensive Ausbildung der Tiere immer wieder auf sie zukommen. Steht ein Wurf aus der eigenen Diabeteswarnhunde-Zuchtlinie an, kommen Kosten von ungefähr 150.000 Euro auf sie zu, welche vorfinanziert werden müssen. Schließlich beläuft sich der Preis für einen ausgebildeten Diabeteswarnhund auf ungefähr 20.000 Euro.

BJ

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