Das Immunsystem neu programmieren

25.7.2013 – Insulinabhängige Typ-1-Diabetiker können, dank einer aktuellen Studie aus den USA darauf hoffen, in absehbarer Zeit eventuell wieder auf die Injektion von Insulin zu verzichten.

 


Beim Typ-1-Diabetiker werden die insulinproduzierenden Betazellen bekanntlich durch eine fehlgeleitete Entzündungsreaktion des Immunsystems zerstört. Warum unser Immunsystem diese Attacke gegen die eigenen Zellen startet, ist nach wie vor unbekannt. Es wurde lange nach einer wirkungsvollen Strategie gesucht, um diese Autoimmunreaktion abzuschwächen und den Rest des Immunsystems dabei möglichst unbeeinflusst zu lassen. Eines der Hauptziele des Immunsystem beim Typ-1-Diabetes ist das Proinsulin, eine Vorstufe des Insulin.

Neue Therapiemethode entwickelt

Den Forschern um den Kinderarzt Dr. Lawrence Steinmann von der Stanford University School of Medicine, Kalifornien, gelang es, das Immunsystem wieder an die Betazellen zu gewöhnen und somit die Insulinproduktion erneut anzukurbeln. Die Therapie, welche sie dafür angewendet haben, entspricht im Prinzip einer "umgekehrten Impfung". Anstatt dem Immunsystem zu zeigen worauf es reagieren soll, brachten sie den Immunzellen der Patienten bei, was sie nicht mehr angreifen sollten.

Aufwändige Studie

Um die Wirkung dieser „umgekehrten Impfung“ mit höchster Sicherheit zu überprüfen, wurde eine sogenannte randomisierte Doppelblindstudie durchgeführt. Bei dieser Form der Studie wissen weder die behandelnden Ärzte, noch die Patienten selbst ob sie das Medikament erhalten, oder ein wirkungsloses Scheinmedikament, Placebo genannt.

Hoffnung durch erste Ergebnisse

Die Ergebnisse dieser Studie an den ersten 40 Typ-1-Diabetikern geben laut Dr. Steinmann Hoffnung.

Bei den Patienten, welche die „umgekehrte Impfung“ erhalten hatten, konnte ein Anstieg des C-Peptid gemessen werden. Das C-Peptid ist ein Marker für die Betazellfunktion und somit der Insulinproduktion. Außerdem konnten die Forscher einen Rückgang der betazellspezifischen Immunzellen messen. Ein Hinweis darauf, dass das Immunsystem seinen Angriff gegen die Betazellen zurückfährt.

Weitere Studien notwendig

Die besonders erfreuliche Nachricht: Es traten keine Nebenwirkungen der Therapie auf. Nun müsse man, laut den Forschern, die Ergebnisse in größeren Studien bestätigen. Erst bei einem größeren Patientenkollektiv könne man feststellen, ob die  Wirkung der „umgekehrten Impfung“ bei allen Typ-1-Diabetikern eintritt. 

Abstract der Originalarbeit

BJ

 

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich

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