Mangelernährung im Mutterleib erhöht Diabetesrisiko

14.3.2013 – Erstaunliche Ergebnisse lieferte eine Studie, durchgeführt von Wissenschaftlern der Medizinischen Universität Wien. Tritt während der Schwangerschaft ein starker Nahrungsmangel für die Mutter auf, so erhöht sich damit das Risiko des Kindes, im Erwachsenenalter an einem Typ 2 Diabetes zu erkranken.

 

Mitthilfe komplexer statistischer Methoden haben Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien nun etwas Erstaunliches entdeckt. Mütter, die während der Schwangerschaft von einer Hungersnot betroffen sind, geben ihrem Nachwuchs ein erhöhtes Risiko später einen Diabetes zu entwickeln mit ins Leben.  Die Wahrscheinlichkeit beispielsweise, dass jemand der während der Hungersnot 1919 bis 1921 geboren wurde, heute Diabetes hat, ist beinahe doppelt so hoch wie für davor oder danach Geborene.

Österreich eignet sich wie kaum ein anderes Land ideal für solch eine Untersuchung. Im letzten Jahrhundert gab es drei landesweite Hungersnöte, nämlich nach dem Ende des ersten Weltkriegs 1918-1919, 1938 führe die Wirtschaftskrise und eine schlechte Ernte zu einer Hungersnot und auch 1946-1947 war ein Großteil Österreichs vom Hungerwinter betroffen. Analysiert wurden die Daten aller 325.000 österreichischen Diabetespatienten die zwischen 2006 und 2007 wegen Diabetes in Behandlung waren. Für jedes Geburtsjahr von 1917 bis 2007 wurde der Prozentsatz dieser Patientengruppe einzeln ermittelt. Bei dieser Analyse fand man massive Ausreißer bei Geburtsjahrgängen die mit einer der drei Hungersnöte zusammenfiel. Vor allem in den damals ärmeren Regionen wie dem Burgenland ist dies besonders stark ausgeprägt.

Mechanismen unklar

Welche Mechanismen hinter dieser Entdeckung stecken könnten, ist heute natürlich noch völlig unklar. Eine Hypothese, die von den Wissenschaftlern aufgrund dieser Ergebnisse entwickelt wurde, ist die sogenannte „Hypothese vom sparsamen Phänotyp“. Diese besagt im wesentlichen, dass Föten, deren Mutter unter Mangelernährung litten, sich ebenfalls auf ein Leben unter schlechter Ernährung einstellen würden. Tritt dann wider Erwarten eine normale Ernährung ein könnte dies nachhaltig Probleme verursachen, etwa an den Betazellen der Bauchspeicheldrüse.

Vorhersagen treffen

Als Kehrschluss müsse man jetzt beobachte, ob dort wo Hungersnöte auftreten in den nächsten 30 bis 50 Jahren erhöhte Diabetesraten auftreten, betont der Studienautor Dr. Stefan Thurner. Trifft dies zu, könnte man solche Risikogruppen bereits viel früher und gezielter behandeln.

BJ

Originalartikel 

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich

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