Diabetes mit dem Skalpell heilen?

Bereits mehr als 100.000 Menschen in Österreich leiden an krankhafter Fettleibigkeit, Adipositas genannt. Übergewicht stellt einen der wichtigsten Risikofaktoren für Diabetes mellitus Typ 2 und viele weitere Folgeerkrankungen dar. Geprägt durch einen Lebensstil mit wenig körperlicher Bewegung und hochkalorische Ernährung steigt Fettleibigkeit vor allem in der westlichen Welt stark an.


Konservative Therapieversuche wie Diäten und Lebensstilmodifikation versagen leider oft dabei das Gewicht nachhaltig zu reduzieren. Nur ungefähr fünf Prozent der Betroffenen schaffen es auf diesem Weg.

Sehr oft fehlt die Bewegungskomponente. Jeder Übergewichtige sollte versuchen durch moderate Bewegung seinen Stoffwechsel zu verbessern. Eine Reduktionskost allein bringt oft nur kurzzeitige Erfolge,...

so Ernährungs- und Allgemeinmediziner Dr. Robert Pilacek.

Ich rate allen Betroffenen eine eingehende medizinische Untersuchung. Dabei sollte der behandelnde Arzt jene Therapie wählen, die den Lebensumständen des Patienten am Besten gerecht wird. Die chirurgische Komponente ist eine Lösung, jedoch jene, die zuletzt angestrebt werden sollte!

rät Dr. Pilacek

Rein statistisch gesehen liefert die Adipositaschirurgie, auch bariatrische Chirurgie genannt, gute Ergebnisse mit einer Reduktion des Übergewichts um bis zu 75 Prozent – für sehr sorgfältig ausgewählte Patienten.

Unter bariatrischer Chirurgie werden Operationsmethoden zur Gewichtsreduktion verstanden. Magenband, Magenbypass, Schlauchmagenbildung, Biliopankreatische Diversion, Magenballon und sogar ein Magenschrittmacher stehen zu Verfügung um dem Fett mit dem Messer an den Kragen zu gehen. Ziel dieser Operationsmethoden ist es durch Modifikation am Magen-Darm-Trakt die Kalorienzufuhr zu verringern.

Eine Übersicht gängiger Operationsverfahren:

Beim Magenband wird ein verstellbarer Kunststoffring um den Mageneingang gelegt. Es können nur kleine Portionen gegessen werden und man nimmt ab. Diese Operation ist reversibel, das heißt man kann das Magenband wieder entfernt, wodurch jedoch eine neuerliche Gewichtszunahme droht.

Bei einer Magenbypass-Operation wird der obere Anteil des Magens durchtrennt und direkt mit dem Dünndarm verbunden. Der Magen wird dadurch umgangen (bypass). Der Patient ist rasch satt und nimmt schnell und dauerhaft ab. Aufgrund der oft unangenehmen Nebenwirkungen müssen Nutzen und Risiko gut abgewogen werden. Bei der Schlauchmagen-Bildung (Sleeve Gastrectomy) wird der größte Teil des Magens entfernt, nur ein fingerdicker Schlauchmagen bleibt übrig. Im Vergleich zum Magenbypass ist die Methode besser verträglich und viel risikoärmer. Entscheidend ist die exakte Ausführung eines darin erfahrenen Chirurgen.

Der Magenballon ist eine nicht operative Methode um den Magen zu verkleinern und dadurch ein schnelleres Sättigungsgefühl zu erreichen. Ein aufblasbarer Ballon wird mittels Gastroskop in den Magen eingebracht und aufgefüllt. Dort kann er bis zu einem halben Jahr bleiben. Damit kann maximal 25 Prozent des überschüssigen Gewichts abgenommen werden. Obwohl für das Einbringen des Ballons keine Operation notwendig ist, kann es zu lebensbedrohlichen Nebenwirkungen, beispielsweise  zum zerreißen der Magenwand, kommen.

Der Magenstimulator besteht aus einem Generator und dünnen Elektroden, welche in die Magenwand eingepflanzt werden. Elektrische Impulse täuschen dem Gehirn eine Sättigung vor. Die Methode wurde speziell für übergewichtige Typ 2 Diabetiker entwickelt und befindet sich noch im Versuchsstadium. In mehreren Studien konnte bereits ein Abfall des HbA1c auch ohne Gewichtsverlust gezeigt werden, weshalb noch weitere Wirkmechanismen angenommen werden.

Wer kommt für eine Operation in Frage?

Übersteigt der Body Mass Index einen Wert von 35 kg/m² UND ist mindestens eine Begleiterkrankung vorhanden, stellt dies eine Indikation zur Operation dar. Begleiterkrankungen sind Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Schlafapnoe oder andere Herz- Kreislauf Erkrankungen.

Ist der Body Mass Index sogar über 40 kg/m² reicht dies alleine aus um eine Operation zu rechtfertigen.

Operationen sind bei Schwangerschaft, psychischen Erkrankungen oder einem individuell besonders hohen Operationsrisiko nicht möglich. Vor jeder Operation sollte eine Essverhaltensanalyse und Ernährungsberatung erfolgen.

Positive Nebenwirkung: Diabetes mittels Operation therapieren?

Viele Studien haben sich mit dem Thema beschäftigt, ob eine Operation auch Auswirkungen auf Begleiterkrankungen hat. Die gute Nachricht dieser Untersuchungen: Patienten die mittels Operation behandelt werden zeigen bereits wenige Wochen nach der Operation einen veränderten Stoffwechsel. Manche Patienten erreichen innerhalb weniger Wochen sogar wieder normale Blutzuckerwerte. Dieser Effekt ist von so wichtiger Bedeutung, dass mache Ärzte schon von Stoffwechselchirurgie anstatt von Adipositaschirurgie sprechen. Tatsächlich weiß man heute, dass der Magen-Darm-Trakt nicht nur ein Verdauungssystem ist, sondern auch hormonell äußerst aktiv ist. Magen und Darm produziert unzählige Hormone, die unter anderem das Sättigungsgefühl steuern. Wo genau durch die Chirurgie in dieses System eingegriffen wird, weiß man allerdings noch nicht genau. Dazu gibt es einige Theorien, aber noch keine Erkenntnisse.

Komplikationen möglich!

Obwohl moderne Operationsmethoden bereits sehr gut entwickelt sind und die Komplikationsrate in spezialisierten Zentren auf ein Minimum reduziert wurden, können naturgemäß Komplikationen auftreten. Neben den üblichen Operationskomplikationen wie Blutungen, Wundinfektionen oder Schmerzen können Patienten nach bestimmten bariatrischen Eingriffen beispielsweise auf die lebenslange Einnahme von Mineralstoffen und Vitamintabletten angewiesen sein. Bei einer Magenbandimplantation kann das Magenband verrutschen und eine erneute Operation notwendig machen. Weiters ist auch eine Operation kein Garant für ein schlankes Leben. Wichtig, um Frust nach einem solchen Eingriff zu vermeiden, ist die genaue Aufklärung vor der Operation durch den behandelnden Arzt.

 

BJ

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