Ist Homöopathie bei Diabetes sinnvoll?

4.11.2012 - Viele Patienten suchen, neben konventionell medizinischer Behandlung, auch nach Möglichkeiten ihrem Diabetes alternativ an den Leib zu rücken. Ob Homöopathie dafür geeignet ist und worum es sich bei dieser sanften Heilkunst überhaut handelt, wollen wir in diesem Beitrag kurz  erläutern.

 

 

Ähnliches mit Ähnlichem behandeln

Diese Idee einer alternativmedizinischen Behandlungsmethode wurde 1796 vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann veröffentlicht. Beruhend auf dem rund 200 Jahre alten Glaubenssatz hat sich die Homöopathie bis heute nicht wesentlich verändert. Die Anwendung des Prinzips „Ähnliches mit Ähnlichem“ ist denkbar einfach. Löst ein „Heilmittel“ bei einem Gesunden bestimmte Symptome aus, dann soll das Mittel in verdünnter Form in der Lage sein, bei einem Kranken genau diese Symptome zu lindern. Diese Erkenntnis geht auf einen Selbstversuch Hahnemanns zurück. Er verabreichte sich selbst Chinarinde und bemerkte dabei, dass diese beim ihm dieselben Fieberzustände auslöst wie eine Malariainfektion. Folglich erprobte er an sich selbst und an Familienmitgliedern unterschiedliche Substanzen und verabreichte diese so lange, bis irgendwelche Symptome auftraten. Die verwendeten Heilmittel können dabei Teile von Tieren, Pflanzen oder Mineralien sein. Für die Herstellung homöopathischer Arzneimittel werden diese als „Ursubstanz“ bezeichneten Heilmittel anschließend schrittweise verdünnt. Je stärker die Ursubstanz verdünnt wird, desto wirksamer soll das erzeugte Mittel sein. Dieser Vorgang wird Potenzierung genannt. Ein anschauliches Beispiel üblicher Potenzierungen: D6 entspricht ungefähr zwei Tropfen Ursubstanz auf eine gefüllte Badewanne,  D12 zirka einem Tropfen auf den gesamten Bodensee. Die Verdünnung D20 entspricht sogar nur noch einer im Atlantik aufgelösten Kopfschmerztablette. So viel zur Theorie

Begleitende Therapie möglich

Die Homöopathie stellt nicht den Anspruch einen Diabetes zu heilen und kann somit als begleitende Behandlung angesehen werden. Keinesfalls darf das Insulin eines Typ 1 Diabetikers zugunsten einer alternativen Behandlung abgesetzt werden, da dies für den Betroffenen tödlich enden würde. Mögliche Anwendungen reichen von der Unterstützung der Blutzuckerregulation bis hin zur Mitbehandlung von Diabetes-Begleiterkrankungen. Da Homöopathie keine krankheitsspezifische Therapie ist, sondern nach Symptombildern behandelt, ist eine genaue Therapiezusammenstellung nur durch eine ausführliche Anamnese bei einem Homöopathen möglich.

Hier wollen wir einige „Basistherapeutika“ der Homöopathie erwähnen, die für Diabetiker interessant sein könnten.

Zur Unterstützung der Blutzuckersenkung kann ergänzend Syzygium jambolanum eingenommen werden. Dieses Mittel unterstützt angeblich die Senkung des Blutzuckerspiegels, kann ihn aber nicht kontrollieren. Um auftretende Heißhungerattacken abzuschwächen, kann das homöopathische Mittel Datisca in den Potenzen D6 bis D12 angewendet werden. Acidum phosphoricum sollte ebenfalls in der Potenz D6 verabreicht werden, falls es zu Hungerlosigkeit und starkem Durst kommt. Es sind noch eine Reihe weiterer Präparate für Diabetiker geeignet, allerdings sollte bei neu auftretenden Beschwerden immer auch eine konventionelle medizinische Beurteilung der Symptome eingeholt werden. Die Gefahr der Fehlbehandlung ist unter Umständen groß und die Folgen können schwerwiegend sein.

Behandlung ohne Nebenwirkungen?

Homöopathie wird sehr gerne als nebenwirkungsfreie Heilkunst angepriesen. Diese Behauptung kann speziell ab den Potenzierungen D8 aufwärts unterstützt werden, da die Verdünnung der Ursubstanz so hoch ist, dass selbst die giftigsten Substanzen in dieser Verdünnung nicht mehr gefährlich sind. Der Grenzwert für Arsen im Trinkwasser entspricht beispielsweise einer D8 Potenzierung.

Da in der Homöopathie auch Gifte als Ursubstanzen verwendet werden, könnte eine besonders niedrige Potenzierung  - also ein „schwaches“ Mittel – durchaus Vergiftungen hervorrufen. Da in Studien vorwiegend besonders hohe Potenzierungen verwendet werden, scheinen dort auch meist keine Nebenwirkungen auf.

 

Laut einer Schweizer Studie wenden übrigens rund 14 Prozent der Typ 1 Diabetiker eine alternativmedizinische Behandlungsmethode an. Die Homöopathie ist darunter eine der am häufigsten verwendeten.

 

BJ

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

 

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