Die Therapie des Typ2 Diabetes

Diabetes Typ 2 stellt eine Zuckerstoffwechselerkrankung dar, welche sich auf dem Boden jahrelanger Fehlernährung und Bewegungsmangel und dem daraus resultierenden Übergewicht zusammen mit einer gewissen vererbten Veranlagung entwickeln kann. 

 

 

Ursächlich für die Entstehung der Erkrankung ist die Abnahme der Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin. Dadurch kann der Blutzucker nicht in die Zellen eingeschleust werden und bleibt im Blut. Die einzige Ausnahme von dieser Insulinabhängigen Zuckeraufnahme in die Zellen stellt das Muskelgewebe dar. Es kann Blutzucker unabhängig von Insulin aufnehmen – aber nur wenn es benutzt wird. 

 

Die Therapieziele beim Diabetes Typ 2 sind die Vermeidung von Akut- sowie Spätkomplikationen und die Symptomfreiheit sowie die Erhaltung der Lebensqualität

 

Erste Maßnahme: Bewegung und Ernährungsumstellung

 

Die gute Nachricht - eine Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung reichen oft aus um einen beginnenden Diabetes in die Schranken zu weisen.  Zirka die Hälfte neu diagnostizierter Diabetiker könnte mit einer Gewichtsreduktion von 10 kg wieder normale Blutzuckerwerte erreichen. Zu schön um wahr zu sein – keine Tabletten oder Spritzen notwendig. Die traurige Wahrheit ist jedoch, dass es die meisten Erkrankten nicht schaffen, nach Jahrzehnten falscher Ernährung und ungesundem Lebensstil diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Tabletten schlucken ist für die meisten Betroffenen bequemer als den Lebensstil radikal zu ändern.

 

Wird das Ziel innerhalb von 3 Monaten nicht erreicht…

 

Wird durch Ernährungsumstellung und Bewegung das Therapieziel nicht erreicht, muss medikamentös eingegriffen werden. Orale Antidiabetika - Zuckersenkende Medikamente zum schlucken - kommen dann zum Einsatz. Der Wirkmechanismus dieser Medikamente kann unterschiedlich sein, führt aber im Endeffekt entweder zu einer verstärkten Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse (Insulin Sekretagoga), zu einer erhöhten Sensibilität der Zellen für Insulin (Insulin Sensitizer), oder zu einer erschwerten Aufnahme von Kohlenhydraten im Darm.

 

Mittel der ersten Wahl ist hier Metformin. Metformin ist das einzige Medikament aus der Gruppe der Biguanide. Positiver Effekt von Metformin ist, dass es keinen Unterzucker hervorrufen kann und nicht zu einer Gewichtszunahme führt. Reicht dies alleine nicht aus, wird Metformin mit anderen Mitteln kombiniert.

 

Glitazone (Pioglitazon) verbessert die Empfindlichkeit gegenüber Insulin, gehören also zur Gruppe der Insulinsensitizer. Diese Medikamente führen gelegentlich zu Wassereinlagerungen in den Beinen und dürfen nicht bei Herzschwäche verabreicht werden. Insulinsensitizer können im Gegensatz zu Metformin auch zu einer Gewichtszunahme führen.

 

Sulfonylharnstoffe (Glibenclamid und Glimepirid) und Glinide (Nateglinid und Repaglinid) fördern die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse und gehören somit zu den Insulin- Sekretagoga. Bei diesen Medikamenten besteht die Gefahr einer Unterzuckerung, wenn weniger als üblich gegessen oder mehr Bewegung gemacht wird.

 

Seit kurzem steht mit Sitagliptin ein Vertreter einer neuen Gruppe von Medikamenten, der Gliptine, zur Verfügung. Es kommt es zu einer verstärkten Ausschüttung von Insulin bei Kohlenhydratzufuhr und zu einer Verminderung der Zuckerproduktion der Leber. Der Vorteil dieses neuen Medikaments liegt in der guten Verträglichkeit, dem neutralen bis günstigen Effekt auf das Körpergewicht und in der fehlenden Gefahr von Unterzucker.

 

Inkretin-Mimetika  sind eine neue Gruppe von oralen Antidiabetika. Das erste Medikament aus dieser Gruppe, Exenatid, wurde 2005 in den USA zugelassen. Als positive Effekte konnte eine Gewichtsreduktion beobachtet werden. Die Langzeitsicherheit muss aufgrund der Neuheit dieses Medikament erst beobachtet werden.

 

Wenn Tabletten nicht mehr helfen

Insulin

 

Ist der Langzeitzuckerwert, HbA1c trotz Therapie mit einer Kombination von zwei unterschiedlichen oralen Antidiabetika nicht einstellbar, muss Insulin gespritzt werden um den Zucker zu senken. Die wichtigsten Nebenwirkungen einer Insulintherapie sind einerseits Unterzucker und andererseits eine ungewollte Gewichtszunahme.

 

Beim Diabetes Typ 2 findet typischerweise die konventionelle Insulintherapie Anwendung. Bei der konventionellen Insulintherapie wird zu festgesetzten Zeiten eine bestimmte Menge Insulin gespritzt. Meist zwei- bis dreimal täglich ein Mischinsulin. Diese Therapieform erfordert die pünktliche Einnahme von Mahlzeiten mit genau festgelegter Menge an blutzuckerwirksamen Kohlenhydraten. Aufgrund der Insulinwirkung müssen auch Zwischenmahlzeiten vor- und nachmittags sowie eine Spätmahlzeit eingehalten werden. Bei dieser Therapieform  ist keine flexible Gestaltung der täglichen Mahlzeiten möglich. Hinzu kommt, dass bei Auslassen von Mahlzeiten eine erhebliche Unterzuckergefahr besteht.

 

Wie man die Therapie steuert

 

Um die Therapie eines Diabetes Typ 2 genau zu steuern, wird das HbA1c aus dem Blut bestimmt. Beim HbA1c handelt es sich so zu sagen um das Langzeitgedächtnis des Blutzuckerwertes. Das HbA1c sollte unter 6,5% sein. Dieser Wert kann allerdings nicht vom Patienten selbst, sondern nur vom Arzt durch eine Blutabnahme bestimmt werden. Die Selbstkontrolle des Patienten erfolgt mittels Blutzuckermessung. Hierbei sollten Werte unter 110 mg/dl nüchtern und unter 135 mg/dl nach dem Essen erzielt werden.

 

BJ

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

 

 

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